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Etikette im Queeren Zentrum Kassel

zuletzt überprüft im März und April 2026

Im Queeren Zentrum Kassel treffen im besten Fall unterschiedliche Personen mit ihren Perspektiven und Erfahrungen aufeinander und tauschen sich aus. Damit die gemeinsame Zeit für alle Beteiligten möglichst angenehm verläuft, haben wir die folgenden Regeln für unser Miteinander ausgearbeitet. Diese Regeln gelten für Mitglieder und Besucher*innen ebenso wie für Haupt- und Ehrenamtliche im Queeren Zentrum. Diese Regeln werden regelmäßig überprüft und angepasst. Dieser Prozess kann sowohl intern als auch durch externe Personen angestoßen werden.

Wir sind alle für unser gemeinsames Miteinander verantwortlich.

Kein Ort ist immer für alle großartig. Dennoch wollen wir so respektvoll und konstruktiv wie möglich miteinander umgehen. Selbstverständlich sollte es dabei sein, die Räume sauber und ordentlich zu halten und das Zentrum mindestens so zu hinterlassen, wie wir es vorgefunden haben.

Wir beachten und reflektieren die individuellen und strukturellen Macht- und Hierarchieverhältnisse zwischeneinander, aber auch mit Blick auf die Zentrumsstrukturen. Wir übernehmen Verantwortung für unser Verhalten und unsere Aussagen.

Wir achten darauf, mit unserem Verhalten oder Aussagen oder dem Verhalten oder Aussagen unserer Gruppe im Rahmen des queeren Zentrums nicht die Existenz des Queeren Zentrums zu gefährden.

Wir reflektieren unsere Bedarfe und Bedürfnisse und teilen diese klar mit, um abzufragen, ob diese durch die Anwesenden oder das Queere Zentrum gedeckt werden können. Besonders wichtig ist dabei ein sensibler und konstruktiver Umgang mit Triggern und weiteren zwischenmenschlichen Barrieren. Dabei verpflichten wir aber NICHT unabgesprochen (andere) marginalisierte Personen, uns zu deren Erfahrungen und Realität weiterzubilden.

Wir sprechen aufmerksam und achtsam miteinander und reflektieren unser Redeverhalten. Uns ist klar, dass keine Kommunikationsform missverständnis-sicher ist und bemühen uns, unser Gegenüber zu verstehen.

Wir wollen Verständnis und Geduld miteinander haben.

Wir treffen Menschen da, wo sie sind. Das heißt, wir erwarten voneinander kein Vorwissen. Wir befinden uns alle in einem stetigen Lern- und Verlernprozess, der niemals abgeschlossen ist. Wir müssen aber auch nicht alles aushalten.

Menschen haben unterschiedliche Fähigkeiten, Energie und Kapazitäten. Das wollen wir nicht bewerten. Dazu gehört auch, dass wir alle unterschiedlich lange für bestimmte Sachen brauchen.

Unabsichtliche Fehler machen wir alle manchmal. Auf Fehler darf und soll respektvoll hingewiesen werden. Wenn wir Menschen verletzen, übernehmen wir Verantwortung dafür.

Wir respektieren Selbstdefinitionen. Wir können Menschen ihre Positionierung (z.B. Geschlecht, Behinderung) nicht ansehen, daher respektieren wir deren Selbstdefinitionen. Dazu gehört, dass wir sensibel über- und miteinander sprechen und Pronomen und Namen respektieren. Wir freuen uns deshalb, wenn Menschen sich mit Namen und Pronomen vorstellen.*

Wir beachten die Grenzen anderer.

Nein heißt nein, nur ein informiertes ja heißt ja.

Umgang miteinander basiert immer auf Konsens und Absprachen. Das gilt für jeglichen Körperkontakt, zum Beispiel auch für das Anfassen von Kleidung, Haaren, Hilfsmittel, etc.. Auch das Berühren von persönlichen Gegenständen wird nach Möglichkeit abgesprochen.

Emotionale Grenzen sind wichtig und werden besprochen. Vor belastenden Themen fragen wir unser Gegenüber, ob es gerade sich gerade damit beschäftigen kann und will.

Auch beim Flirten achten wir auf Konsens und fragen gegebenfalls nach, ob Flirten erwünscht ist. Das Gleiche gilt für unseren Tonfall (z.B. nicht übermäßig freundschaftlich, wenn das nicht vorher abgesprochen wurde).

Wir kommentieren die Körper und das Aussehen von Menschen nicht ungefragt. Wir fragen vorher nach, ob Menschen Komplimente möchten.

Auch Nacktheit braucht Konsens. Wir sprechen Nacktheit miteinander ab. Veranstaltungen mit Nacktheit kündigen diese spätestens an der Tür an.

Wir wollen keine verbale und physische Gewalt ausüben. Kink und Spiel sind willkommen.

Spiel wird vorher und dabei miteinander abgesprochen. Alle Beteiligten haben Spaß.
Bei Gewalt hat mindestens eine Person keinen Spaß (mehr).

Wir wollen respektvoll, wertschätzend und freundlich miteinander umgehen. Jegliche Gewalt, auch verbale Gewalt (z.B. Herabwürdigungen, Beleidigungen, Anschreien, Manipulation, Bedrohung, ...) gehören nicht ins Queere Zentrum.

Wichtig! Für den Fall, dass Gewalt im Queeren Zentrum passiert, gibt es ein Awarenesskonzept, einen Leitfaden für Ehrenamtliche und einen Leitfaden für die AG Awareness.

Wir gehen verantwortungsbewusst mit Verletzungen und Konflikten um.

Im Queeren Zentrum soll kein Platz für Gewalt sein. Hinweise auf Verletzungen und/oder Konflikte haben Vorrang vor dem geplanten Ablauf.

Bei physischen Verletzungen (z.B. Schnitte, Brüche etc.) rufen wir rechtzeitig die 112, wenn wir nicht selbst helfen können. Wenn wir eine physische Verletzung mit dem Inhalt des Erste-Hilfe-Koffers behandeln, melden wir der Hauptamtlichkeit, was wir dem Koffer in etwa entnommen haben, damit der Bestand wieder aufgefüllt werden kann.

Wenn Verletzungen, Missverständnisse oder Konflikte entstehen, bemühen wir uns zunächst darum, diese ohne das Einschalten des hauseigenen Sicherheitsdienst oder der Polizei zu lösen. Dafür haben wir ein Awarenesskonzept, einen Leitfaden für Ehrenamtliche und einen Leitfaden für die AG Awareness.

Wenn wir darauf hingewiesen werden, dass wir andere Anwesende verletzt haben, hören wir aktiv zu und übernehmen Verantwortung für unsere Handlungen und Aussagen. Beim Umgang mit emotionalen Verletzungen und/oder Konflikten kann eine Awarenessperson hilfreich sein.

Wir beachten Absprachen darüber, was im Raum bleibt, und was den Raum verlassen darf.

Wir tragen keine Informationen weiter, die Menschen uns im Vertrauen erzählt haben.

Wir vermeiden Fremdoutings. Wir erzählen nicht ohne Absprachen, wen wir im Queeren Zentrum in welcher Gruppe getroffen haben und welche Namen und Pronomen die Menschen dort benutzt haben.

Kontaktinformationen von anderen Personen (z.B. Telefonnummern oder Social-Media-Namen) geben wir nur weiter, wenn diese ausdrücklich zugestimmt haben.

Fotos, Videos und Audioaufnahmen machen wir nur nach Absprache mit allen Menschen, die darauf zu erkennen sind. Wenn die Aufnahmen außerhalb des Raums gezeigt oder veröffentlicht werden, wird das abgesprochen. Aufnahmen werden nur veröffentlicht, wenn alle Menschen einverstanden sind und dann auch nur in dem Rahmen, der abgesprochen wurde (z.B. landen Fotos, bei denen abgesprochen wurde, sie in eine Messenger-Gruppe zu schicken, nicht auch in Sozialen Medien).

Wir bringen Tiere nur nach Absprache mit.

Das schließt auch Assistenz-Tiere mit ein. Wir beachten, dass Barrieren teilweise in Konflikt miteinander stehen. Es gibt verschiedene Gründe, weshalb Menschen keine Tiere treffen können, wie zum Beispiel Ängste oder Allergien.

Wenn ein Mensch ein Tier mitbringen muss oder möchte, muss das vorher abgesprochen werden. Es muss auch abgesprochen werden, wer im Anschluss die Tierhaare entfernt. Dafür gibt es im Queeren Zentrum einen allergiegeeigneten Staubsauger.

Wenn sich Tiere im Queeren Zentrum aufhalten, wird das vorher angekündigt.

Wir gehen verantwortungsbewusst und fürsorglich mit Personen unter 18 Jahren um.

Allgemein richtet sich das Queere Zentrum Kassel mit seinen Angeboten spezifisch an Personen ab 18 Jahre. Wir sind kein genereller "ab 18 Jahre" Raum, aber zentrieren weder die Bedarfe von Kindern noch die von Jugendlichen explizit. Für verschiedene Veranstaltungen gelten verschiedene Regelungen bezüglich des Alters.

Wenn Personen unter 18 Jahren anwesend sind, richten wir uns nach dem Jugendschutzgesetz und der UN-Kinderrechtskonvention. Das beinhaltet, dass wir Personen unter 18 Jahren weder Alkohol, noch (e)Zigaretten oder andere Substanzen geben. Ebenso fördern wir keine sexuellen/romantischen Beziehungen zwischen Personen unter und über 18 Jahren. Im Queeren Zentrum Kassel ist kein Platz für Grooming.

Bei Aufnahmen von Personen unter 18 Jahre müssen zusätzlich die Erziehungsberechtigten schriftlich zustimmen.

Wir wollen bewusst mit Konsumverhalten umgehen.

Im Queeren Zentrum dürfen keine illegalisierten Substanzen konsumiert werden. Das Queere Zentrum ist zudem ein rauchfreier Ort. Weder (e)Zigaretten, Joints, Shishas, Pfeifen noch Rauchwaren anderer Art (z.B. Räucherstäbchen) sind erlaubt. Diese beiden Aspekte sind wichtig, da wir bei Verstoß die Räumlichkeiten verlieren können. Das Queere Zentrum kann kein "Safer Use" Ort sein.

Alkohol wird im Queeren Zentrum nur nach Absprache konsumiert. Es ist zudem an der Eingangstür des Zentrums erkenntlich, ob aktuell in den Räumen Alkohol konsumiert wird.

Wir besuchen das Queere Zentrum nicht, wenn wir stark unter dem Einfluss bewusstseinsverändernder Substanzen stehen.

Auch wenn wir unter dem (leichten) Einfluss von bewusstseinsverändernden Substanzen stehen, sind wir für unsere Handlungen und Aussagen verantwortlich.

Wir wollen möglichst diskriminierungsarm und diskriminierungskritisch miteinander umgehen.

Wir sind alle in einer diskriminierenden Gesellschaft sozialisiert. Sich damit auseinander zu setzen ist ein ständiger Prozess des Verlernens, der nie vollständig abgeschlossen ist. Wir wollen uns dessen bewusst sein und uns mit unseren eigenen Privilegien, Vorurteilen und Handlungen auseinandersetzen.

Im Umgang mit Diskriminierung beachten wir, dass Erklärungen keine Rechtfertigungen sind. Die Gründe dafür, weshalb Diskriminierung auftritt, sind also keine Rechtfertigung für das diskriminierende Verhalten.

Außerdem sind Intentionen nicht das gleiche wie Wirkung - auch wenn Menschen gute Absichten haben, kann die Wirkung diskriminierend und verletzend sein.

Wir zweifeln die Diskriminierungserfahrungen von Menschen nicht an - das betrifft auch Diskriminierung, die innerhalb des Queeren Zentrums stattfindet. Wenn wir eine diskriminierende Situation beobachten, versuchen wir, uns zu solidarisieren. Das schließt ein, die betroffenen Menschen zu fragen, wie wir das am besten tun können.

Zwischen verschiedenen Diskriminierungsformen gibt es Verschränkungen. Viele Menschen sind von mehreren Formen von Diskriminierung gleichzeitig betroffen. Zum Beispiel erfahren Schwarze Frauen Rassismus und Sexismus (hier wird auch von Misogynoir gesprochen) und trans* Frauen erfahren Sexismus und Transfeindlichkeit (dazu gibt es den Begriff Transmisogynie - diese Konzepte können zu Transmisogynoir erweitert werden).

Wir wollen im Queeren Zentrum Schutzräume für mehrfachmarginalisierte Menschen schaffen. Darum sind manche Veranstaltungen nur für bestimmte Personengruppen offen.

Hier ist eine alphabetische und unvollständige Liste von Diskriminierungsformen:

Ableismus (Diskriminierung von behinderten, chronisch kranken und verrückten Menschen)
Adultismus (Diskriminierung von jungen Menschen)
Altersdiskriminierung/Ageismus (Diskriminierung von älteren Menschen)
Antimuslimischer Rassismus (Diskriminierung von Muslim*innen und Menschen, denen muslimischer Glaube zugeschrieben wird)
Antisemitismus (Diskriminierung von Juden*Jüdinnen und Menschen, denen jüdisch sein zugeschrieben wird)
Antislawismus (Diskrimierung von Osteuropäer*innen und Menschen, denen osteuropäische Herkunft zugeschrieben wird)
Colorism (Diskriminierung von dark(er)-skinned Personen)
Fettfeindlichkeit (Diskriminierung von mehrgewichtigen Personen)
Gadjérassismus/Antiziganismus (Diskriminierung von Sinti/ Sinti*zze & Roma/Rom*nja)
Inter*feindlichkeit (Diskriminierung von inter* Menschen)
Klassismus (Diskriminierung aufgrund des sozio-ökonomischen Status/sozialen Stands)
Lookismus (Diskriminierung von Menschen, die Schönheitsnormen nicht oder weniger entsprechen)
Misogynie (Diskriminierung von Frauen & Femmes)
Misogynoir (Diskriminierung von Schwarzen Frauen und Femmes)
Queerfeindlichkeit (Diskriminierung von queeren Menschen und Lebensweisen)
Rassismus (Diskriminierung von Schwarzen Menschen, indigenen Menschen und Menschen of Color)
Sexarbeiter*innenfeindlichkeit (Diskriminierung von Sexarbeiter*innen)
Sexismus (Diskriminierung von Frauen, Femmes und queeren Menschen)
Trans*feindlichkeit (Diskriminierung von trans* Menschen)
Transmisogynie ( Diskriminierung von trans* Frauen und Femmes)
Xenophobie (Diskriminierung von Menschen aufgrund eines zugeschriebenen “Fremdseins”)