Handlungsleitfaden für die AG Awarness
Wie gehen wir mit Grenzverletzungen, Gewalt und co um?
Im Queeren Zentrum sind wir darum bemüht, dass möglichst viele queere Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen entspannt und gerne hier sein können. Wir gehen davon aus, dass Menschen, die das Queere Zentrum betreten, rücksichtsvoll und freundlich mit ihren Mitmenschen umgehen wollen.
Wenn unterschiedliche Menschen zusammenkommen, gibt es Konflikte und Verletzungen - schon allein, weil wir alle in einer Welt mit Gewalt und Machtgefällen aufgewachsen sind. Aus solchen Situationen können wir voneinander lernen und uns in Zukunft anders miteinander verhalten. Davon ausgehend, das Menschen lernen, umdenken und sich verändern, haben wir uns überlegt, was wir tun wollen, wenn eine Person sich im Queeren Zentrum verletzend, übergriffig oder diskrimierend verhält.
In solchen Situationen wird die AG Awareness aktiv. Bei dieser AG kannst du Vorfälle melden oder dich beschweren: https://queereszentrumkassel.de/beschwerde
Die AG Awareness behandelt deine Informationen vertraulich. Du kannst dich anonym melden.
Die AG geht in Absprache mit dir in einen Austausch mit der gewaltausübenden Person.
Die Stufen, die wir hier beschreiben, sind ein Versuch, gleichzeitig miteinander zu lernen und Menschen da zu schützen, wo es notwendig ist. Ein Teil dieses Schutzes ist, dass wir ernst nehmen, welche Auswirkung ein Verhalten auf die Betroffene Person oder die Atmosphäre im Raum hat, unabhängig davon, ob es “gut gemeint” war oder die Absicht bestand, zu verletzen. Wir wissen, dass dieses Stufenmodell nicht jeder Situation gerecht werden kann. Wenn wir merken, dass Unterstützung von außen nötig ist, holen wir Beratung, Konfliktmediation oder andere Hilfen dazu. Als AG Awareness überprüfen wir einmal im Jahr mit einer externen Beratung, inwieweit gesellschaftliche Machtstrukturen und persönliche Verknüpfungen unsere Entscheidungen beeinflussen.
Stufe 1
Eine Person verhält sich im Queeren Zentrum verletzend, übergriffig oder diskriminierend und wir erfahren davon.
Personen aus der AG Awareness vereinbaren ein Gespräch mit der Person und besprechen die Situation nach. Zwischen der AG Awareness und der Person wird ein weiterer Umgang vereinbart. Je nachdem, was vorgefallen ist, könnte die Vereinbarung zum Beispiel lauten:
Person entschuldigt sich bei der anderen Person, falls diese das möchte.
Person liest die Etikette des Queeren Zentrums und bespricht sie mit mindestens einer weiteren Person nach.
Person wird für einen vereinbarten Zeitraum im Queeren Zentrum nicht flirten. In dieser Zeit setzt Person sich damit auseinander, wie konsensuelles Flirten aussehen könnte.
Person macht innerhalb eines vereinbarten Zeitraums einen Workshop zum Thema Rassismus und tauscht sich regelmäßig über Rassismus und Verbündetenschaft aus.
Nach einer miteinander vereinbarten Zeit, checken AG Awareness und die Person miteinander ein, wie die Vereinbarung umgesetzt wurde_wird.
Stufe 2
Eine Person verhält sich im Queeren Zentrum erneut verletzend, übergriffig oder diskriminierend
oder eine Person mit der wir aktuell im Austausch sind hält sich nicht an Vereinbarungen und wir erfahren davon.
Personen aus der AG Awareness vereinbaren ein Gespräch mit der Person. Wir sprechen darüber, warum die bisherige Vereinbarung nicht funktioniert und besprechen, wie es anders weitergeht. Dafür treffen wir wieder eine konkrete Vereinbarung. Je nachdem, was vorgefallen ist, könnte die Vereinbarung zum Beispiel lauten:
Person und AG Awareness besprechen die Etikette gemeinsam und klären Missverständnisse. Das Queere Zentrum schreibt eine eindeutigere Etikette.
Person kommt für einen Vereinbarten Zeitraum nur ins Queere Zentrum, wenn eine Person aus der AG Awareness anwesend ist. Weiterhin wird Person im Queeren Zentrum nicht flirten und ist dafür verantwortlich, sich konsensbasierten Umgang zu erarbeiten.
Person kommt für einen Vereinbarten Zeitraum nur ins Queere Zentrum, wenn eine Person aus der AG Awareness anwesend ist. Person sucht sich eine Kleingruppe zum verbindlichen Austausch über Rassismus und Verbündetenschaft und holt den Workshop nach.
Nach einer miteinander vereinbarten Zeit, checken AG Awareness und die Person miteinander ein, wie die Vereinbarung umgesetzt wurde_wird.
Stufe 3
Eine Person verhält sich im Queeren Zentrum weiterhin verletzend, übergriffig oder diskriminierend oder
eine Person mit der wir aktuell im Austausch sind hält sich weiterhin nicht an Vereinbarungen und wir erfahren davon oder
eine Person ist nach einem Vorfall nicht gesprächsbereit oder hat keine Problemeinsicht.
Die AG Awareness bespricht ein Hausverbot für die Person. Je nach Vorfall ist es zeitlich begrenzt.
Gegen Ende dieser Zeit, sprechen AG Awareness und die Person miteinander darüber, unter welchen Bedingungen die Person sich im Queeren Zentrum aufhalten kann. Je nach Gesprächsverlauf geht der Austausch auf Stufe 1, 2 oder 3 weiter.
Stufe 0 - Akutsituation
Eine Person kommt zum Pöbeln oder
eine Person wird im Queeren Zentrum handgreiflich oder sehr aggressiv oder sexualisiert übergriffig.
Die Person bekommt Hausverbot. Das Hausverbot darf ausdrücklich von den Personen, die für die laufende Veranstaltung verantwortlich sind, ausgesprochen werden.
Anschließend wird die AG Awareness informiert und bespricht das weitere Vorgehen.
Das Hausverbot bleibt mindestens bestehen, bis ein Gespräch mit der AG Awareness stattgefunden hat.
